Nachdem im vergangenen Jahr in den Medien breit an das 100. Jubiläum der Novemberrevolution in Deutschland erinnert wurde, jährt sich 2019 ein  Ereignis, das einherging mit der Zerschlagung revolutionärer Hoffnungen und Träume. Am 15. Januar 1919 kam es in der noch sehr jungen Republik zu einem Verbrechen, das die Beendigung des Spartakus-Aufstandes besiegeln sollte: die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs.

Bis heute ist dieses Verbrechen nicht geahndet, die Verantwortlichen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Dabei fehlte es nicht an Beweisen – im Gegenteil. 1962 erklärte der für den Mord verantwortliche Hauptmann Waldemar Pabst:

»Ich nahm damals [im Januar 1919] an einer KPD-Versammlung teil, auf der Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sprachen. Ich gewann den Eindruck, die beiden seien die geistigen Führer der Revolution, und ich beschloß, sie umbringen zu lassen. Auf meinen Befehl wurden die beiden aufgegriffen. Man mußte den Entschluß fassen, vom Rechtsstandpunkt abzuweichen … Dieser Beschluß zur Beseitigung der beiden ist mir
nicht leichtgefallen … Ich vertrete auch weiterhin die Auffassung, daß dieser Entschluß auch vom moralisch-theologischen Gesichtspunkt durchaus vertretbar ist.«

Quelle: „Rosa Luxemburg oder: Der Preis der Freiheit“ – Herausgegeben von Jörn Schütrumpf

Wer war nun Rosa Luxemburg?

100 Jahre nach ihrer Ermordung ist Rosa Luxemburg vielen zwar ein Begriff, über ihr Leben und Denken wissen eher wenige, die sich nicht intensiver mit ihr beschäftigt haben. Umso schöner ist die Tatsache, dass mit „Rosa“ von Kate Evans eine Graphic Novel erschienen ist, die Lesern, vielleicht auch jüngeren Lesern, eben dieses Leben und Wirken auf schnell verständliche Weise näher bringt.

Rosa Luxemburg wird am 5. März 1871 in der polnischen Kleinstadt Zamość geboren. Polen war damals russisch besetzt. Ihr Vater, ein Holzhändler, siedelt mit der Familie nach Warschau über, wo Rosa ihre Schulbildung erhält und auch später politisch aktiv wird. Von klein auf ist sie körperlich durch die unterschiedliche Länge ihrer Beine eingeschränkt.

1889 geht sie in die Schweiz, wo sie zunächst Naturwissenschaften, dann Staatswissenschaften und Nationalökonomie. In dieser Zeit lernt sie auch den Revolutionär Leo Jogiches kennen und lieben. 1898 zieht Rosa Luxemburg nach Deutschland. 1914 wird sie wegen Reden gegen den Krieg zu Gefängnishaft verurteilt, ein Jahr später schließt sie sich mit Karl Liebknecht zur Gruppe „Internationale“ zusammen, aus der 1916 der Spartakusbund hervorgeht.

Sie wird wiederholt verhaftet und schreibt im Gefängnis zwar unterstützende Artikel für die Bolschewiki, die soeben in Russland die Macht übernommen haben. Gleichzeitig warnt sie aber auch davor, dass eine Diktatur einer Minderheit entstehen könne, die alles andere als demokratisch und sozialistisch ist.

»Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution, wird zum Scheinleben.«

 

Als sie am 9. November 1918 aus der Haft entlassen wird, engagiert sie sich gemeinsam mit Liebknecht in der Novemberrevolution und gibt die Zeitung „Rote Fahne“ heraus. Ende des Jahres ist sie Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

Am 15. Januar 1919 wird Rosa Luxemburg von Reichswehreinheiten (Freikorps) in Berlin ermordet. Dabei reicht es den Mördern nicht ihr den Schädel zu zertrümmern, sie schießen ihr anschließend in den Kopf und werfen die Leiche in den Landwehrkanal.

Eine fiktionalisierte Geschichte

Kate Evans‘ Graphic Novel erzählt Rosa Luxemburgs Geschichte teils fiktionalisiert, da nicht alle Begebenheiten abschließend geklärt sind. Auch wissen wir nicht allzu viel über Luxemburgs Kindheit. In den umfangreichen Anmerkungen des Buches werden alle Abweichungen von den geschichtlichen Tatschen erklärt. Viele Dialoge geben jedoch tatsächliche Formulierungen Rosa Luxemburgs wieder. Für ihre Zeichnungen hat die Kanadierin zahlreiche Fotos als Ausgangsmaterial genutzt. „Rosa“ erschien mit Unterstützung des New Yorker Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung und wurde von Independent und Observer als »Grafikbuch des Jahres« prämiert.

Kate Evans 
Rosa. Die Graphic Novel über Rosa Luxemburg
2. Auflage, Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2019
20,- EUR

2 thoughts on “100. Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg

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